Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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2011/2012: Geselligkeiten

Von gelehrten Zirkeln, literarischen Kreisen und volkstümlichen Festen

Diorama vom Gleimhaus in Halberstadt, Ort geselligen Geschehens
Diorama vom Gleimhaus in Halberstadt, Ort geselligen Geschehens

Wer ist nicht gern in geselliger Runde?
Das 18. Jahrhundert schuf ganz neue Formen der Geselligkeit. Es wird von daher als das »gesellige Jahrhundert« bezeichnet. Aufklärung in Deutschland ist ohne Kaffeehäuser, Tabakskollegien, Lesegesellschaften, ohne gemeinschaftlich diskutierte moralische Wochenschriften und literarische Zeitschriften, ohne die Veränderungen des Buchmarktes und das Lesen in Zirkeln, ohne Freundschaftsbünde und Gelehrtensozietäten nicht denkbar. Bevor sich eine politische Öffentlichkeit im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte, prägte die literarische den »öffentlichen Gebrauch der Vernunft« (Immanuel Kant) des aufgeklärten Bürgertums.

Noch heute erfreuen sich die Menschen an der Dichtung aus dem 18. Jahrhundert
Noch heute erfreuen sich die Menschen an der Dichtung aus dem 18. Jahrhundert

In Sachsen-Anhalt sind vielfältige Formen von »Geselligkeiten« überliefert. Für den wissenschaftlichen Austausch unter Gelehrten ist Halle als Zentrum der frühen Aufklärung mit Christian Wolff, Christian Thomasius und den ›vernünftigen Ärzten‹, Philosophen und Theologen ein Ort geselliger Gruppenbildung. Von der ersten Halleschen Dichterschule mit Pyra und Lange und der ihr folgenden zweiten Gruppe gesellig dichtender Freunde in der Universitätsstadt mit Uz, Götz und Gleim gingen wichtige Impulse für die deutsche Literaturentwicklung aus.

In pietistischen Kreisenin Halle, Wernigerode und anderswo kam der gemeinsamen Bibellektüre eine große Bedeutung zu. Mit den religiösen Erbauungsstunden entwickelten sie eigene Formen der Geselligkeit. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fanden sich in Magdeburg in der Mittwochsgesellschaft, in der Literarischen Gesellschaft in Halberstadt und im Freundeskreis um Gleim, aber auch in den Zirkeln in Haldensleben, Weißenfels und andernorts gesellige Menschen zusammen. Über diese Kreise ist in den Museen des Landes Interessantes zu erfahren.

Feiern wie in der Vergangenheit: Große Bauernhochzeit im Freilichtmuseum Diesdorf
Feiern wie in der Vergangenheit: Große Bauernhochzeit im Freilichtmuseum Diesdorf

Auch die gesellige Musikkultur ist vielfältig überliefert und wird – anknüpfend an Bach und seine Söhne, Telemann, Händel, die Familie Fasch und Reichardt – lebendig vermittelt. Zahlreiche Werke von Gottfried August Bürger, Friedrich Gottlieb Klopstock und anderen Dichtern sind in geselligen Zusammenhängen entstanden. Die Briefkultur des 18. Jahrhunderts ist in bis dahin nicht gekannter Weise vom Gesprächscharakter und der Geselligkeit geprägt. Der Genuss bildender Kunst wird in neuer Weise zum kommunikativen Ereignis.

Die Schlösser und Höfe wie in Dessau, Oranienbaum, Zerbst, Ballenstedt und Wernigerode werden zu Orten repräsentativer, aber auch kommunikativer Geselligkeit und Öffentlichkeit. Männer, aber auch Frauen waren an den Geselligkeitsformen der Aufklärung beteiligt. Die Äbtissinnen in Quedlinburg oder Fürstin Louise von Anhalt-Dessau und Katharina II., eine geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, sind Beispiele für den Gestaltungsraum, den Frauen in der Geselligkeitskultur ihrer Zeit hatten.

Doch nicht nur in aufgeklärten Kreisen waren gesellige Zusammenkünfte von großer Bedeutung. Auch in den übrigen Bevölkerungsschichten und auf dem Land waren Feste und Feier prägende Ereignisse. Über die ländliche Festkultur dieser Menschen berichtet das Freilichtmuseum in Diesdorf.

Tauchen Sie ein in eine vergangene Zeit und entdecken Sie bei einer Reise durch das Land Sachsen-Anhalt das gesellige 18. Jahrhundert.