Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
Schriftgröße A | A | A         Druckversion

Faltblatt

Faltblatt als PDF-Datei zum Downloaden

Beschreibung der verwendeten Illustrationen auf dem Faltblatt

Menschenbilder: Anton von Maron (1733-1808): Bildnis Johann Joachim Winckelmann | 1768 (Ausschnitt) | Öl auf Leinwand, 100 x 135 cm | Kulturstiftung DessauWörlitz
Das Bildnis zeigt den Gelehrten an einem Schreibtisch sitzend, in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit begriffen. Sein Blick sucht den des Betrachtenden, wobei er mit einer rhetorischen Geste auf ihn Bezug nimmt. Die rechte Hand liegt, eine Feder haltend, auf einem aufgeschlagenen Buch. Die aufgeschlagenen Seiten des vor Winckelmann liegenden, Buches zeigen einen Kupferstich mit einer Reliefdarstellung des Antinous. Links im Hintergrund wird unter einer dunkelblauen Draperie ein Relief mit der Darstellung des Hermes als Psychopompos sichtbar. Rechts im Hintergrund des Bildnisses steht auf einer Brüstung eine vermutlich aus hellenistischer Zeit stammende Büste des Homer, hinter der Brüstung ist der Blick auf ein Meer gegeben.
Die Winckelmann umgebenden Gegenstände verweisen auf die spezifischen Interessen des Altertumsgelehrten. Diese Form der Darstellung mit den Attributen ihrer Gelehrsamkeit findet seit der Antike Anwendung bei Bildnissen von Schriftstellern und Gelehrten. Der Kupferstich des Antinousreliefs erscheint in diesem Bildnis als Hinweis auf die idealschöne Darstellung des „mittleren Menschen“, einem Schönheitsbegriff, der das Kernstück in Winckelmanns Werk bildet. Der mittlere Mensch verkörpert sowohl die höchste Form menschlicher Schönheit als auch eine dementsprechende geistig-sittliche Veranlagung. Winckelmann betrachtete die Vorstellung des mittleren Menschen als einen Gegenentwurf zum herrschenden Menschenbild und als Maßstab für die zeitgenössische Kunst. Auch die Präsenz Homers im Bildnis verweist auf einen besonderen Aspekt in der Kunstbetrachtung Winckelmanns. Homers Epen waren von großer Bedeutung für seine Kenntnis über das Schöne und sein Menschenbild, ebenso wie für sein Weltbild und sein Gottesverständnis.
Obwohl das Porträt repräsentative Elemente enthält, birgt es als Freundschaftsbildnis vornehmlich einen privaten Charakter. Es sollte als solches dem Auftraggeber, Baron Philipp von Muzel-Stosch, den abwesenden Freund bildlich vergegenwärtigen und die Erinnerung an ihn wach halten.
Die Erscheinung Winckelmanns, in der sich seine Lebensweise spiegelt, zeigt einen zeitlosen, allgemeingültigen Charakter und einen, entsprechend dem griechischen Schönheitsbegriff, „schönen“ Menschen im besten Alter. (Ingo Pfeifer) 
Menschenbilder: Carl Wilhelm Kolbe (1759-1835): Skizze mit sechs Akten (Ausschnitt) | 1799 | Kaltnadelradierung | 18,8 x 26,1 cm | Kulturstiftung DessauWörlitz
Das skizzenhaft angelegte Blatt zeigt drei Gruppen von jeweils zwei Akten: Links zwei stehende Frauen, von denen eine vor der anderen zu fliehen scheint. In der Mitte befinden sich zwei mit einander ringende Männer, von denen einer den anderen niederdrückt. Rechts im Bild (unser Ausschnitt) stehen zwei bärtige Männer, von denen einer als Rückenakt mit erhobenen Armen erscheint, während die Pose des zweiten von der antike Figur des Herkules Farnese inspiriert erscheint. Er hält in der linken Hand eine Keule und rechts einen Apfel, zu seinen Füßen ist eine Schlange erkennbar, ebenfalls als Anspielung auf Herkules zu deuten.
Dass Kolbe, der in seinen Bildideen sehr stark durch die niederländischen Stecher des 17. Jahrhunderts inspiriert ist, auch auf antike Sujets zurückgreift, verdeutlicht die enorme Strahlkraft der griechisch-römischen Kunst im 18. Jahrhundert. Dabei erscheinen die Akte bei Kolbe keinesfalls als idealschöne Körper, sondern weisen mit ihrer realistischen, teils drastischen Darstellungsweise auf eine neue Betrachtung der menschlichen Gestalt hin.
(Ingo Pfeifer) 
Menschenbilder: Georg Melchior Kraus (1737-1806): Rousseau-Insel im Wörlitzer Garten (Ausschnitt) | 1783 |Zeichnung | Kulturstiftung DessauWörlitz
Der Weimarer Hofmaler Kraus reiste 1783 nach Wörlitz, um Illustrationen für einen geplanten Gartenführer anzufertigen. Von den 18 Zeichnungen, die Kraus damals anfertigte wurden nur vier als Kupferstiche reproduziert. Alle Originalzeichnungen gingen 1945 verloren. Die Rousseau-Insel gehört zu den besonders prominenten Orten im Wörlitzer Garten. Die dem ersten Grabmal Jean Jacques Rousseaus im Park von Ermenonville nachgestaltete Insel ist nicht nur ein Denkmal für den französischen Philosophen, sondern zugleich ein programmatischer Auftakt des Gartens. Direkt bei der Ankunft in Wörlitz stößt der Besucher auf diese Insel, die ihm verdeutlicht, dass die ganze Gartenanlage den Geist Rousseaus atmet, dass der Garten als Bildungsanstalt verstanden werden will. Aber nicht nur der Mensch sollte sich hier geistig frei entfalten können, sondern auch die Natur wurde von den Zwängen eines geometrischen Schnittes befreit und sollte in ihrer Wildheit glückliche Ursprünglichkeit symbolisieren.
(Ingo Pfeifer) 
Menschenbilder: William Pether (1731 – um 1795) nach Joseph Wright of Derby (1734 - 1797): Künstler betrachten eine Statuette | nach 1765 | Aquatinta, 48,2 x 55,7 cm |
Das Blatt zeigt drei, in Betrachtung einer Statuette des Borghesischen Fechters versunkene Künstler unterschiedlichen Alters. In einem Atelier um einen Tisch sitzend, haben sie vor sich eine verkleinerte Kopie der berühmten antiken Plastik. Den drei Künstlern dient sie hier als Modell für ihre Zeichenübungen, wie man an dem Blatt erkennen kann, das sie vergleichend neben die Plastik halten. Das Licht einer Kerze beleuchtet nicht nur dramatisch die gesamte Szene, sondern lässt auch die Muskeln des Modells deutlich hervortreten. Das Zeichnen nach Gipsen war eine in den Kunstakademien übliche Lehrmethode. Dabei zog man die Gipsabgüsse sogar den antiken Originalen vor, da Unebenheiten, Brüche oder Schäden der Originale an den Gipsabgüssen geglättet bzw. ergänzt waren.
Joseph Wright stellte das Ölgemälde 1765 in der Londoner Society of Artists aus und begründete damit seinen Ruf als „Kerzenlicht-Maler“.  Zusammen mit weiteren Gemälden bildet es eine Serie, die Kunst, Philosophie und Naturwissenschaften verkörpert. Das waren die Interessensgebiete der „Lunar Society“, einer Montagsgesellschaft, der Wright angehörte.
(Ingo Pfeifer)