Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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2010: Menschenbilder

Von Gleichheit und Individualität, von Freiheit und Begrenzung

Der Jurist und Philosoph Christian Thomasius (1655-1728)
Der Jurist und Philosoph Christian Thomasius (1655-1728)

Die Würde jeden Menschen ist unantastbar. Dies gilt uns heute als Selbstverständlichkeit. Erstmals formuliert wurde dieser Anspruch im 18. Jahrhundert - wie auch vieles andere, was unser heutiges Menschenbild prägt, seinen Ursprung im Zeitalter der Aufklärung, einer bedeutenden Epoche des Auf- und Umbruchs hat. Dieses neue Menschenbild wurde in der Französischen Revolution gesellschaftspolitisch wirksam. Viele waren an der Diskussion über ein neues Menschenbild beteiligt wie Philosophen, Juristen, Mediziner, Archäologen und Künstler. Weitreichende Impulse für die Aufklärung und den Wandel des Menschenbildes kamen aus Halle von Persönlichkeiten wie den Philosophen Christian Wolff und Christian Thomasius sowie durch den Theologen und Pädagogen August Hermann Francke.

Im breiteren Publikum wurden auch Ansichten vertreten, die uns heute kurios erscheinen. So ging etwa der einflussreiche Theologe Johann Caspar Lavater davon aus, dass aus der äußeren Erscheinung des Menschen auf seinen Charakter geschlossen werden könne.

Spielerische Annäherung an das Porträt im Gleimhaus
Spielerische Annäherung an das Porträt im Gleimhaus

Die geografischen Entdeckungen in der Südsee warfen die Frage auf, ob die 'edlen Wilden' möglicherweise glücklicher seien als die zivilisatorisch 'verdorbenen' Europäer. Diskussionen über die Gleich- oder Ungleichheit von Männern und Frauen sowie über Kindheit als eigene, prägende Phase des Lebens begleiteten das 18. Jahrhundert.

Die intensive Suche nach dem, was das menschliche Wesen ausmacht, hat in den Museen, Sammlungen und Bibliotheken Sachsen-Anhalts viele Spuren hinterlassen. Nicht nur voluminöse Bände wissenschaftlicher Abhandlungen lagern hier, sondern auch Objekte aus fernen Ländern, Tagebücher, Modelle und Kunstwerke. Die Bildnismalerei als künstlerischer Ausdruck der intensiven Beschäftigung mit dem Menschen erlebte im18. Jahrhundert eine neue Blüte. Nicht nur Gleims "Freundschaftstempel" in Halberstadt legt davon Zeugnis ab. Auch das umfangreiche realistische Schaffen des Malers Christian Friedrich Reinhold Liesiewsky, das in Wörlitz erstmals in einer umfassenden Retrospektive vorgestellt wird, kündet davon. Johann Joachim Winckelmann, Schustersohn aus Stendal, empfahl den Künstlern seiner Zeit den Rückgriff auf die Antike, da hier bereits ein ideales Menschenbild nicht nur körperlich, sondern auch geistig vorgeprägt worden sei.

Eine lebensgetreue Nachbildung Johann Gottfried Seumes (1763-1810) im Museum Schloss Lützen
Eine lebensgetreue Nachbildung Johann Gottfried Seumes (1763-1810) im Museum Schloss Lützen

Spannungsreiche Vorstellungen vom Menschen sind auch wirksam in den Werken von Klopstock, Goethe, Bürger, Seume und Novalis, in der Musik von Bach, Händel, Telemann, Fasch und Reichardt sowie in den Bühnenstücken, die in Bad Lauchstädt in historischer Kulisse noch heute aufgeführt werden.

Tauchen Sie ein in eine vergangene Zeit und entdecken Sie die Modernität des 18. Jahrhunderts. Die Museen Sachsen-Anhalts laden Sie ein, die Ursprünge unseres heutigen Selbstverständnisses bei einer Reise durch das Land zu entdecken.

Themenjahresleitung:
Kulturstiftung DessauWörlitz