Der Hirt, der auf unserer Collage zu sehen ist, sitzt als Staffage im Vordergrund einer Ansicht der Gegensteine bei Ballenstedt, die Anton Balzer um 1800 zeichnete und in Kupfer stach. In der Staffage solcher Ansichten zeichnet sich häufig das Alltagsleben der Zeit deutlicher ab, als im sogenannten Genre- oder Sittenbild, wenngleich die Landbevölkerung häufig idealisiert wurde.
Anton Balzer wurde 1771 in Prag als Spross einer Künstlerfamilie geboren und verlegte seine Kunst auf die grafische Darstellung von Landschafts- und Städteansichten. So schuf er Folgen von Darstellungen aus dem Riesengebirge, den Alpen, Tirol, Venedig, also gemeinhin als landschaftlich oder baulich schön geltender Gegenden. Um das Jahr 1800 war Balzer auch im Harz und seinem nördlichen Vorland unterwegs und schuf eine lange Reihe von Ansichten, in denen er seine Schulung an der klassischen Ideallandschaft und außerdem sowohl Sinn für das Malerische als auch für das Erhabene der Harzlandschaft bewies.
(Reimar Lacher)
Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts übernahm das Städtische Museum diverse Apothekeneinrichtungen. Das Offizin mit dem Rezepturtisch aus dem Jahre 1805 konnte in Hessen sichergestellt werden. Dort hatte 1765 der Apotheker Friedrich Teichmann das Privileg zur Gründung einer Apotheke erhalten. Originale des 18. Jahrhunderts sind auch die Standgefäße aus Glas, Fayence, Steinzeug und Holz, Schmelztiegel, Porzellan- und Messingmörser sowie die Bücher; sie stammen aus den Ratsapotheken in Osterwieck und Gröningen.
Das Laboratorium, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, ist ein Original der Halberstäder Ratsapotheke. Bereits in einer Urkunde von 1408 wird eine Apotheke genannt. Die Ratsapotheke am Holzmarkt, die das Domkapitel und der Rat der Stadt gemeinsam betrieben, wird erstmals 1536 erwähnt. 1695 erwarb der Rat den Anteil des Domkapitels an der "Rathäuslichen Apotheke", 1773 ging sie in Privatbesitz über; am 8. April 1945 wurde das Gebäude beim Luftangriff auf die Stadt zerstört. Erhalten gebliebene Abbildungen ermöglichten die Einrichtung des Laboratoriums im Städtischen Museum Halberstadt.
(Simone Bliemeister)
Die Heilkraft der Bad Lauchstädter Quelle wurde um 1700 durch den halleschen Professor Friedrich Hoffmann (1660-1742) entdeckt. Bald darauf ließ die Herzogin Erdmuthe Dorothee von Sachsen-Merseburg (1661-1720) die Heilquelle fassen und die Heilung suchenden Gäste strömten in den kleinen Ort. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts veranlasste der sächsische Kurfürst Friedrich August II. den Bau einer massiven Kuranlage, die keinen Wunsch eines Gastes offen lassen sollte. In einem der Gebäude konnte man sogar mit Duschbädern kurieren. Da dies offensichtlich eine sehr moderne Methode war, bevorzugten viele Kurgäste weiterhin die "Hausbäder", die dort verabreicht wurden, wo man auch Quartier genommen hatte. In der heutigen Dauerausstellung im ehemaligen Duschpavillon kann der Besucher einen Eindruck von der Ausstattung eines solchen "Badestübchens" bekommen.
(Ute Boebel)
Vier großformatige Leinwandbespannungen erzählen im Christian-Wolff-Haus von der Dramatik und Leidenschaft der Geschichte Samsons. Ein unbekannter Künstler, der vielleicht dem Umfeld der in Halle ansässigen französischen Teppichwirker entstammt, hat die Samson-Geschichte um 1720 auf ungrundierter Leinwand festgehalten. Nach aufwändiger Restaurierung im Rahmen der Landesinitiative »Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert« sind die Bildteppiche wieder an den Wänden im Wohnhaus des Aufklärungsphilosophen Christian Wolff in der Großen Märkerstraße zu besichtigen. Damit hat nicht nur Christian-Wolff-Haus ein Stück Originalausstattung zurück gewonnen, sondern es wurde auch ein einzigartiges Zeugnis bürgerlichenWohnens des 18. Jahrhunderts für die Nachwelt erhalten.
Johann JoachimWinckelmann (1717–1768) wurde als Sohn eines Schuhmachers
Der Quedlinburger Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759–1839) gilt als Begründer der modernen Gymnastik. Sein schon zu Lebzeiten international anerkanntes System der Körpererziehung entwickelte er in jahrzehntelangerTätigkeit als Lehrer am Salzmannschen Philanthropinum in Schnepfenthal. Unter Berufung auf berühmte zeitgenössische Mediziner sah GutsMuths Gesunderhaltung und körperliche Vervollkommnung der Jugend als vorrangige Aufgabe des Gymnastikunterrichts an.
Die 1806/1807 entstandenen Apokryphen gehören zu den wenigen Werken des sächsischen Spätaufklärers und berühmten »Spaziergängers nach Syrakus« Johann Gottfried Seume (1763–1810), die uns noch in der Handschrift überliefert sind. IhrTitel, der dem Namen der außerbiblischen, oft als häretisch angesehenen Geheimlehren folgt, war prophetisch für die gehemmte Wirkung der Apokryphen. In einer Sammlung von Aphorismen, Glossen, moralischen Sentenzen u. a. m. beschäftigt sich Seume in den Apokryphen kritisch mit der Französischen Revolution, dem Feudalsystem und Privilegienwesen des deutschen Reiches, mit Napoleon, von dem er abgrundtief enttäuscht war,
Im März 1990 schenkten die Nachfahren von Friedrich Gottlieb Klopstocks zweiter Frau dem Klopstockhaus Quedlinburg verschiedene "kostbare Reliqiuen" des Dichters - das als Museum eingerichtete Geburtshaus, das sie in "treuer Huth der Nachwelt erhalten" sollte, erschien ihnen als der "würdigste Platz" für die Aufbewahrung dieser Gegenstände, die Klopstock bis zu seinem Tode in Gebrauch hatte.
(Brigitte Meixner und Lars-Thade Ulrichs)
Da häufige Wasserbenutzung gerade unter Adligen noch im 18. Jahrhundert als gesundheitsschädlich galt, trat an die Stelle des Waschens vielfach die Benutzung von Parfüm, Schminke und Puder, mit deren Hilfe ein übler Geruch vermieden werden sollte. Dies freilich gab einen guten "Nährboden" für allerlei Ungeziefer ab.
Zur Bekämpfung der lästigen »Mitbewohner« unter Kleidung und Perücke bediente man sich nicht nur mit Lockstoffen gefüllter Flohfallen unter der Kleidung, sondern auch solcher Kratzhändchen, wie hier eines abgebildet ist. Sie vermochten allerdings nur momentane Linderung der Beschwerden zu geben.
Ludwig Buchhorns "Bettlerjunge" ist Teil einer um 1800 entstandenen Serie von Variationen über das Thema "Ein freyes Leben führen wir". Es handelt sich hierbei um eine grafische Bearbeitung des Jägerliedes aus dem 4. Akt von Schillers Räuber. Buchhorn war einen romantisierenden Blick auf Außenseiter der Gesellschaft, seien es nun Räuber oder eben Bettler: Gesetz- oder auch Besitzlosigkeit wird hier mit Freiheit gleichgesetzt. Die Armut war ein weit verbreitetes Übel im 18 Jahrhundert, das allenfalls Ansätze staatlichen Sozialwesens kannte. Eine realistische Darstellung eines solchen Sujets wäre höchst problematisch, hatte doch die Kunst das Gemüt zu erheben und durfte nicht "in den Rinnstein" hinabsteigen, wie noch 100 Jahre später in solchen Fällen getadelt wurde. Das idealisierende Bestreben Buchhorns ist nicht zuletzt in der edlen Miene seines Bettlers zu ersehen.
Ludwig Buchhorn wurde um 1770 in Halberstadt geboren und ist in den 1790er Jahren im Umkreis Johann Wilhelm Ludwig Gleims und der Halberstädter "Literarischen Gesellschaft" nachweisbar. Wenig später ging er nach Berlin, wo er es bis zum Professor der preußischen Kunstakademie brachte und 1856 starb. Neben seinem umfangreichen Schaffen als reproduzierender Kupferstecher stach er häufig auch nach eigenen Zeichnungen.
Das Gleimhaus und das Städtische Museum Halberstadt bewahren jeweils größere Konvolute von Grafiken Buchhorns.
(Reimar Lacher)
Auch das 18. Jahrhundert war eine Epoche der Kriege. Es sah Preußen zur europäischen Großmacht aufsteigen. Eine Folge dieses Aufstieges war ein preußischer Patriotismus, der sich insbesondere auf den Monarchen und die Armee bezog. Die Helden der friderizianischen Kriege waren auch Helden des Volkes und damit Protagonisten der Bildwelten, gerade auch der populären Bildwelt der Druckgrafik.
Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin (1694-1757) war einer der bedeutendsten Generäle Friedrichs II. und erreichte den Höhepunkt seiner Popularität durch seinen Tod bei der Schlacht bei Prag: Die tödliche Kugel traf ihn mit der Fahne in der Hand, die er seiner Armee voran trug. Dieser "Bilderbuchtod" wurde denn auch mehrfach bildlich dargestellt, so etwa von Bernhard Rode, Daniel Chodowiecki und eben auch von Ludwig Buchhorn. Teilweise folgten diese Stiche in den Kompositionen dem zu ihrer Zeit hoch gerühmten Blatt Der Tod des Generals Wolfe bei Quebec von Benjamin West, während Buchhorn nicht den Tod, sonden die Tat zeigt.
(Reimar Lacher)
Moses Mendelssohn (1729–1786) war ein deutsch-jüdischer Philosoph. Als Wegbereiter der jüdischen Aufklärung (Haskala) engagierte er sich für die Rechte des jüdischen Volkes und setzte sich für die Gleichstellung der Juden den Christen gegenüber, jedoch unter Beibehaltung der jüdischen Kultur und Religion, ein. Für Nathan der Weise diente er seinem Freund Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) als Vorbild, der ihm mit diesem Stück ein bleibendes Denkmal setzte. Das im Bild zu sehende Buch ist eine durch den Verleger Christian Friedrich Voß (1722–1795) 1771 neu herausgegebene Auflage der 1761 erschienen Philosophischen Schriften. Das Buch ist eine Leihgabe aus
Im 18. Jahrhundert wurden die Frisuren der Damen, besonders der Adligen immer aufwendiger: Gewaltige, kunstvolle Perücken türmten sich auf ihren Köpfen. Entsprechend waren Steckkämme, die nicht dem täglichen Strähnen der Haare dienten, unverzichtbare Hilfsmittel zum Befestigen der komplizierten Damenfrisuren. Ebenso fungierte sie aber auch als Schmuck. Darum wurden diese kostbaren Luxuskämme oft aus Elfenbein oder Schildplatt gefertigt und mit Edelsteinen, Gold oder Silber verziert.
Dies gilt auch für den abgebildeten Schmuckkamm. Denn da die Stiftsdamen des 18. Jahrhunderts weniger als Nonnen denn als Fürstinne lebten, waren solche Kämme auch im Quedlinburger Damenstift im Gebrauch. Der abgebildete Kamm ist aus Schildplatt gefertigt und mit fein gearbeiteten Verzierungen geschmückt.
(Brigitte Meixner und Lars-Thade Ulrichs)
Die Schönheitsvorstellungen des Rokoko verpflichteten modebewusste
Die Uhr wurde 1758 durch den Halberstädter Uhrmacher Louis Polborn gefertigt. Sie befand sich später im Besitz des Tapetenfabrikanten Ludwig Ruprecht, der neben Dr. Friedrich Lucanus und dem Spiegelenkel Werner von Spiegel zum Diesenberg eine führende Rolle im Halberstädter Kunstverein spielte. 2002 erwarb der Geschichtsverein, Förderverein des Städtischen Museums, das Exponat für die Ausstellung.
(Simone Bliemeister)
Bei dem abgebildeten Tasteninstrument handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Tafelklavier: Nachdem die Klaviermechanik an sich erst 1700 in Italien erfunden worden ist, gingen vermutlich bereits in den 1740er Jahren immer mehr Klavierbauer dazu über, diese Mechaniken auch in rechteckige (tafelförmige) Korpora einzubauen. Im Vergleich zu den repräsentativen Cembali und Hammerflügeln erlangten die Tavelklaviere durch ihre platzsparende Bauweise und ihren geringeren Preis insbesondere im häuslichen Milieu eine große Beliebtheit. Dabei waren es im 18. Jahrhundert oft Frauen, die dieses neuartige Tasteninstrument spielten und zu dessen Verbreitung beitrugen. Auf Grund der damals herrschenden sozialen Konventionen war den meisten Frauen eine professionelle Musikerkarriere versagt. Das Musizieren im häuslichen Rahmen stellte dagegen ein beliebtes weibliches Betätigungsfeld dar.
Mit dem Tafelklavier vorn Christopher Ganer aus dem Jahre 1785 kann in der Musikinstrumenten-Ausstellung der Stiftung Kloster Michaelstein ein Tasteninstrument besichtigt werden, das demjenigen auf der Abbildung ähnlich ist.
(Monika Lustig)
Der Patriot des 18. Jahrhunderts erkannte die Regimenter und Waffengattungen an ihren Uniformen. Diese Kenntnis ging auf die populäre Gattung der Uniformdarstellungen zurück.
Prestigeträchtig am Militär war im 18. Jahrhundert indes nur der Offiziersrang. Das Leben des einfachen Soldaten war alles andere als glanzvoll. Das Kriegshandwerk war nicht nur gefährlich, es wurde auch erbärmlich bezahlt. Kaum einer war freiwillig Soldat. Die preußische Armee bediente sich auch der Methode der Zwangsrekrutierung. Die wenigsten Soldaten waren Landeskinder: Erst die Befreiungskriege zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden von den Kriegsfreiwilligen ausgetragen, die für ihr Vaterland fochten. Erst dann wurde dem einfachen Soldaten Ehrenhaftigkeit zugemessen, erst dann wurden solche drakonische Strafen wie etwa das Spießrutenlaufen ausgesetzt.
(Reimar Lacher)
Der Vater in Hausrock und Hausmütze im Sessel sitzend, Bierkrug und Tabakspfeife auf dem Tisch, hat den Stock gegen seinen Sohn erhoben, der sich hinter seinen Armen zu verbergen sucht. Der Grund dieser feierabendlichen Prügelszene ist nicht ersichtlich. Es ist nicht einmal sicher, dass diese Strafhandlung, die das Titelblatt zum fünften Teil des Kinderfreundes ziert, als Negativbeispiel gemeint ist. Die Darstellung dient als Gegenstück zu der Vignette des vorherigen Teils von Christin Felix Weißes pädagogischer Zeitschrift, in der ein Lehrer seinem Schüler Lob spendet. Zusammengenommen könnten die beiden Darstellungen zwei Methoden der Erziehung veranschaulichen. Denn der Stock des Strafens war bei aller Konjunktur der Pädagogik auch im 18. Jahrhundert noch allgegenwärtig. Dass allerdings die Auffassungen von Erziehung grundlegend modernisiert wurden, dies ist schon im Inhaltsverzeichnis des betreffenden Stückes der Zeitschrift zu ersehen: Hier geht es weniger um "gute" oder "schlechte" Kinder, vielmehr ist vom "schlechten Informator" die Rede. Mithin kommt es nunmehr auf die Qualifikation des Erziehers an.
(Reimar Lacher)
Das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt entstand nach Johann Wolfgang