Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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2009: Alltagswelten

Von Stand und Einfluss, Kultur und Bildung

"Kartoffelauskriegen" im Freilichtmuseum Diesdorf
"Kartoffelauskriegen" im Freilichtmuseum Diesdorf

Das Leben der Menschen in früheren Zeiten fasziniert uns immer wieder. Wir lesen historische Romane, Sachbücher und Biografien, reisen an interessante Orte der Geschichte und besuchen Museen, die uns die Vergangenheit lebendig vor Augen stellen. Das 18. Jahrhundert gilt als das Zeitalter der Aufklärung. Der Bildung kam ein besonderer Stellenwert zu; nicht umsonst bezeichnet man diese Epoche als das »pädagogische« Jahrhundert. Doch nicht alle Bevölkerungsschichten waren in gleicher Weise von den grundlegenden
Veränderungen und Neuerungen des Aufbruchs betroffen. Dieser Ungleichheit, den Neuanfängen, den alten Traditionen und dem Leben der Aufklärer nachzugehen ist ein spannendes Vorhaben.

Schusterwerkstatt im Winckelmann-Museum Stendal
Schusterwerkstatt im Winckelmann-Museum Stendal

Wie sah das Leben im 18. Jahrhundert aus? Wie kann man sich das Alltagsleben im Aufklärungszeitalter vorstellen? Welche Chancen hatten die Menschen aus unterschiedlichen Ständen? Wie sah es genau aus bei Hofe? Wie lebte zum Beispiel die Fürstin Louise an der Seite des Fürsten Franz in Dessau? Ein Professor in Halle, wie etwa Christian Wolff, – was können wir über sein Leben erfahren? Seinen Alltag, aber auch sein berufliches Dasein? Privatheit und Öffentlichkeit waren noch nicht so getrennt wie in späteren Jahrhunderten. Männer und Frauen, Menschen aus gehobenen und aus niederen Ständen hatten unterschiedliche Chancen, an der Öffentlichkeit teilzuhaben.

Apothekenlabor im Städtischen Museum Halberstadt
Apothekenlabor im Städtischen Museum Halberstadt

Jedoch waren auch Geschichten wie diejenige Johann Joachim Winckelmanns möglich, der vom Schustersohn zum Präsidenten der Altertümer von Rom aufstieg. Vielseitig sind im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt die Überlieferungen zu Dichtern der Aufklärung. Die verschiedenen persönlichen Lebenswege und Weltanschauungen etwa eines Dichters aus protestantischem Pfarrhaus wie Gottfried August Bürger oder des Freiherrn Georg Friedrich Philipp von Hardenberg (Novalis) sind auf eindrückliche Weise in Molmerswende und in Wiederstedt zu erleben. Berend Lehmann, Jude in Halberstadt, musste geschickt zwischen der Welt seiner Glaubensbrüder und der nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft agieren.

Bauernstube im Freilichtmuseum Diesdorf
Bauernstube im Freilichtmuseum Diesdorf

Einflussreich waren die hochadligen Frauen wie etwa Aurora von Königsmarck oder Prinzessin Anna Amalie von Preußen im freiweltlichen reichsunmittelbaren Damenstift in Quedlinburg im Feld der Politik und Kultur. In den Gartenanlagen um den Stiftsberg ist ihr Gestaltungswille noch heute zu sehen. Einblicke in den Städtebau im 18. Jahrhundert gewährt das Museum für Stadtgeschichte Dessau.

Über zwanzig Museen und zahlreiche weitere kulturelle Partner in Sachsen-Anhalt widmen sich den facettenreichen Lebenswelten der Aufklärung und laden Sie herzlich ein.

Themenjahresleitung:
Städtisches Museum Halberstadt