Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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Beschreibung der verwendeten Illustrationen auf dem Faltblatt

Frauen: Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach (24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel - 10. April 1807 in Weimar) gemalt von Johann Freidrich August Tischbein | Öl auf Leinwand, 1795 (Ausschnitt) | Gleimhaus Halberstadt
Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach (nicht zu verwechseln mit der jüngeren Schwester ihrer Mutter, Anna Amalia von Preußen), Prinzessin zu Braunschweig-Wolfenbüttel, wurde als fünftes von dreizehn Kindern des herzoglichen Paares Philippine Charlotte (geb. von Preußen) und Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren. Exzellent ausgebildet ehelichte sie 1756 Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar und Eisenach, gebar zwei Söhne und übernahm nach dem Tod ihres Mannes 1759 (bis 1775) die Regentschaft für ihre unmündigen Kinder. Selbst interessiert, sich immer weiter fortzubilden (z.B. im Zeichnen oder der Gartengestaltung), spielten Musik und Musiktheater eine besondere Rolle im Leben von Anna Amalia. Nach dem Brand des Schlosses im Jahr 1774 lebte sie in ihrem Stadtpalais (heute Wittumspalais) und seit 1781 in den Sommermonaten in Tiefurt. In Weimar entwickelte sich, auch gefördert durch die Herzogin, ein reiches literarisch-kulturelles Leben, das weit über Weimar hinausstrahlte und Autoren der Aufklärung, Klassik und Romantik umfasste. Der Weimarer literarische >Freundeskreis< mit Goethe, Herder, Wieland, Böttiger, Bertuch und zahlreichen anderen war keinesfalls homogen. Hinsichtlich der Literaturgeschichtsschreibung seit dem 19. Jahrhundert verstellt die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller die Wahrnehmung der Vielseitigkeit des kulturellen Lebens in Weimar. Die aktuelle Forschung - auch zur Herzogin von Sachsen-Weimar - setzt hier neue Akzente. 
Frauen: Anna Amalie von Preußen (9. November 1723 in Berlin - 30. März 1787 in Berlin) | gemalt von Anna Dorothea Therbusch | Öl auf Leinwand | Gleimhaus Halberstadt, Dauerleihgabe des Landes Sachsen-Anhalt
Anna Amalie von Preußen (nicht zu verwechseln mit ihrer Nichte Anna Amlia, der späteren Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach) war die jüngere Schwester Friedrich II. Sie blieb zeitlebens unverheiratet und war 1756 bis zu ihrem Tod Äbtissin des reichsunmittelbaren, freiweltlichen Damenstifts in Quedlinburg, hier war sie jedoch nur wenige Male vor Ort. Die Stiftsverwaltung wurde nach Berlin verlegt, wo sich Anna Amalie meistens aufhielt (in zunehmenden Alter und bei schwächer werdender Gesundheit jedoch auch an Bade-Orten). Sie führte neue Regelungen bei den Feiertagen ein und sorgte für die Verbesserung des Armenwesens in Quedlinburg. Anna Amalie (auch Amélie genannt) gilt als eine der bekanntesten Komponistinnen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von ihr haben sich besonders Kantaten und Choräle, aber auch Märsche erhalten. Für eine Kantate der Prinzessin schrieb die Dichterin Anna Louisa Karsch das Libretto. Die preußische Prinzessin trug außerdem eine bedeutende Noten-Sammlung zusammen (u.a. mit Handschriften von Johann Sebastian Bach). Das Bildnis der Anna Amalie von Preußen besticht durch seinen privaten Charakter und grenzt sich damit von anderen zeitgenössischen Darstellungen von Persönlichkeiten aus fürstlichem Hause ab. Die menschliche Seite der Prinzessin wird auf malerisch überzeugende Weise präsentiert. 
Frauen: Anna Louisa Karsch (1. Dezember 1719 zwischen Züllichau und Krossen, genannt »Hammer« - 12. Oktober 1791 in Berlin) | gemalt von Gottfried Kehrer | Öl auf Leinwand, 1791 (Ausschnitt) | Gleimhaus Halberstadt
In ärmlccihen Verhältnissen  in Schlesien und Polen aufgewachsen, im Lesen und Schreiben nur mit Grundkentnissen ausgestattet, musste die Poetin ihre Familie durch die Einkünfte ihrer Gelegenheitsdichtung und durch Unterstützung reicher Freunde ernähren. Sie war zeimal verheiratet und brachte sieben Kinder zur Welt, von denen vermutlich nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Adlige Gönner ermöglichten ihr 1761 den Umzug nach Berlin, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte - mit Ausnahme der Zeit der Verlagerung des preußischen Hofes nach Magdeburg, in der sie in der Elbe-Stadt lebte. Sie hatte Zugang zu den gebildeten, literarisch-geselligen Kreisen, hielt jedoch weiterin Kontakt zu den unteren Bevölkerungsschichten. Anna Louisa Karsch zählt zu den bekanntesten Dichterinnen des 18. Jahrhunderts und gilt als eine der besten Briefschreiberinnen des Aufklärungszeitalter in Deutschland. Mit dem Halberstädter Dichter und Domsekretär Johann Wilhelm Ludwig Gleim war sie seit 1761 bis zu ihrem Tod freundschaftlich verbunden, besuchte ihn zweimal für längere Zeit in Halberstadt und sandte ihm einen Großteil ihrer poetischen Hinterlassenschaften zur Aufbewahrung. In Halberstadt ließ der Domdechant Ernst Ludwig Christoph Freiherr Spiegel zum D(i)esenberg ihr ein Denkmal errichten. Bei der vom Bildhauer J.C. Stubinitzky 1782/1784 gefertigten Bildsäule handelt es sich um die erste vollplastische Darstellung einer deutschen Dichterpersönlichkeit. Zunächst aufgestellt im Landschaftspark Spiegelsberge bei Halberstadt hat es nun seinen Standort im Halberstädter Gleimhaus gefunden. 
Frauen: Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau (12. Juni 1715 in Dessau – 3. April 1780 in Dessau) | gemalt von Martin Falbe | Öl auf Leinwand, um 1745 (Ausschnitt) | Kulturstiftung DessauWörlitz – Schloss Mosigkau
Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau wurde als achtes Kind und dritte Tochter des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau und seiner Gemahlin Anna Luise in Dessau geboren. 1742 und 1743 erhielt die unverheiratete Fürstentochter als Ausstattung von ihrem Vater zwei erbzinsfreie Güter mit umfangreichem Grundbesitz zum Geschenk. Durch Verpachtungen, eine jährliche Apanage von 15 000 Talern und erfolgreiche Geschäfte befand sich Anna Wilhelmine in guten finanziellen Verhältnissen. So war sie in der Lage, sich von 1752 bis 1757 einen
repräsentativen Sommersitz in Mosigkau erbauen zu lassen. 1756 bot
sich die Gelegenheit, aus dem Nachlass ihrer jüngst verstorbenen Tante Marie Eleonore Herzogin von Radziwill eine wertvolle Gemäldesammlung holländischer und flämischer Meister zu erwerben. Diese Sammlung hatte Marie Eleonore zum großen Teil von ihrer Mutter Henriette Catharina von Oranien–Nassau übernommen und selbst mit zeitgenössischen Werken, besonders von Antoine Pesne ergänzt.
Im Gartensaal des Sommersitzes Schloss Mosigkau fand die Gemäldesammlung
mit Werken von Rubens, van Dyck, Jordaens und anderen namhaften Meistern ihren neuen Platz. 23 Jahre lang diente das spätbarocke Schloss Mosigkau mit seinem im französischen Stil angelegten Schlossgarten und seinen Rokoko-Innendekorationen als Sommeraufenthalt der Besitzerin und ihrer vornehmen
Besucher. Im Winter wohnte Anna Wilhelmine in Dessau im nicht mehr erhaltenen Kleinen Palais am Markt. Als sie am 3. April 1780 in Dessau verstarb, war Prinzessin Anna Wilhelmine die wohlhabendste Frau in Anhalt und hinterließ ein reiches Erbe. In ihrem Testament verfügte sie, dass ihr Sommersitz Mosigkau mit dem Schlossgarten und drei Gütern sofort nach ihrem Tode zu einem Hochadligen Fräuleinstift umgestaltet werden sollte. Diese Einrichtung diente vor allem der Versorgung von unverheirateten Töchtern
des verarmten anhaltischen Adels. Das Stift mit einer Äbtissin und sechs Stiftsdamen bestand vom 12. Juni 1780 bis 1945. 
Frauen: Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode
 (2. April 1691 in Gedern - 25. Oktober 1771 in Wernigerode) und seine Gemahlin Sophie Charlotte zu Leiningen-Westerburg (1696-1762) mit drei Enkelkindern in Hauskleidung und häuslicher Atmosphäre | gemalt von Johann Georg Geteil | Öl auf Leinwand | Eigentum S.D. des Fürsten Philipp Constantin zu Stolberg-Wernigerode Als herausragende Persönlichkeit eines augeklärten Absolutisten und Pietisten ging Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode in die Geschichte des 18. Jahrhundert ein. Mit August Hermann Francke eng befreundet, folgte der Graf dessen Ideen. Er führte in der Grafschaft die allgemeine Schulpflicht ein, unterstütze das Lyceum in der Stadt, öffnete 1746 seine umfangreiche Privatbibliothek der Öffentlichkeit, die er als Freund der Wissenschaft beträchtlich erweiterte. Er gründete eine Witwenkasse und ein Waisenhaus und war auf sozialem Gebiet vorbildlich wirksam. Mit der Neuorganisation der Forstwirtschaft betraute der den bedeutenden Forstwirtschaftler Hans Dietrich von Zanthier, dessen Lehren heute noch Beachtung finden. Mit dem Halberstädter Johann Wilhelm Ludwig Gleim und seinem Kreis stand die gräfliche Familie in regem geistigen Austausch. 1712 hatte Graf Christian Ernst Marie zu Leiningen-Westerburg geheiratet, deren Frömmigkeit weithin bekannt war. In seiner Lebensgeschichte bezeichnet der als Jung-Stilling bekannt Schriftsteller Heinrich Jung den Hof in Wernigerode als den »...Vorhof des Himmels ... Religion, Wohlstand, Feinheit der Sitten, Frohsinn, Anstand und völlige Prätentionslosigkeit bestimmen den Charakter eines jeden Mitglieds der Familie.«  
Frauen: Dorothea Christiana Erxleben (13. November 1715 Quedlinburg - 13. Juni 1762 Quedlinburg) H. Bücher | Rötelzeichnung, 1956 (Ausschnitt) | Klopstockhaus Quedlinburg
Dorothea Christiana Erxleben promovierte 1754 an der medizinischen Fakultät der Universität Halle. Damit ist sie in Deutschland die erste Frau, die einen medizinischen Doktortitel erwarb und die uneingeschränkt eine medizinische Praxis führen durfte. Fast 150 Jahre mussten vergehen, bis die nächste Frau für den Arztberuf zugelassen wurde. Auf der Grundlage einer fundierten theoretischen und praktischen Ausbildung durch ihren Vater, den Arzt Christian Polycarp Leporin, und der Förderung durch die Rektoren des Quedlinburger Gymnasiums sowie durch autodidaktische Studien war es ihr gelungen, ein umfanreiches Allgemeinwissen, ausgezeichnete Sprachkentnisse und eine dem Forschungsstand der Zeit entsprechende medizinische Bidlung zu erwerben. Ihren Wunsch, einen Universitätsabschluss zu erhalten, konnte sie sich trotz der 1741 erlangten königlichen Sondererlaubnis Friedrich II. aus familiären Gründen nicht erfüllen. Durch ihre Heirat 1742 hatte sie Mutterpflichten für fünf Stiefkinder, wozu noch vier eigene kamen, und die umfangreichen Pflichten einer Pfarrfrau übernommen. Trotzdem behandelte sie weiterhin Kranke, die ihre Hilfe suchten, bis eine diesbezügliche Beschwerde dreier Quedlinburger Ärzte sie veranlasste, nun die akademische Graduierung nachzuholen. Deshalb reagierte sie auf die Beschwerde selbstbewusst mit der Vorlage ihrer Doktorarbeit (Der Titel ihrer Arbeit, die sie ein Jahr später selbst ins Deutsche übersetzt hatte, lautet: »Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten.«). Bis zu ihrem Tode 1762 behandelte sie weiterhin Kranke mit Erfolg und bewies damit auch praktisch die Argumente ihrer frühen Publikation (»Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten...«), dass gleiche Bidlungsmöglichkeiten für das weibliche Geschlecht notwendig und auch erfolgreich sind. Durch ihre Werke und ihre Leistung wurde sie zu einem vielzitierten Vorbild in der Geschichte der Frauenbildung und -emanzipation. 
Frauen: Elisa von der Recke (20. Mai 1754 in Schönberg, Kurland - 13. April 1833 in Dresden) | gemalt von Gottlieb Schiffner | Öl auf Leinwand, 1791 (Ausschnitt) | Kulturstiftung Dessau Wörlitz - Schloss Luisium
Geboren als Elisabeth Charlotte Constanzia Gräfin von Medem verbrachte sie ihre Jugend in Kurland. Mit 17 Jahren wurde sie mit dem Kammerherrn Georg von der Recke verheiratet, doch wurde die Ehe auf ihr Betreiben hin nach zehn Jahren wieder geschieden. Sie begann ein intensives Reiseleben, bei dem sie Kontakte zu vielen deutschen Literaten und Aufkärern knüpfte. Über ihre Schwester, die mit dem Herzog von Kurland verheiratet war, bekam sie Zugang zu den Königshofen in Berlin und Warschau. Europäische Bekanntheit erlangte sie, als sie 1787 mit der Schrift Nachricht von des berühmten Cagliostro Aufenthalt in Mitau im Jahre 1779 und dessen magische Operationen zur Enttarnung dieses Alchimisten und Hochstaplerns beitrug, den man bis dahin in aristokratischen Kreisen ganz Europas hofiert hatte. 1784 lernte sie den Schriftsteller August Tiedge kennen, mit dem sie seit 1804 dauerhaft in Dresden zusammenlebte, ein damals geradezu unvorstellbares Verhältnis. Elisa von der Recke betätigte sich auch als Dichterin. Sie verfasste Lyrik, Reiseliteratur und auch geistige Lider, die von einem empfindsam-religiösen Tenor waren. Neben Friedrike Brun und Sophie LaRoche war sie eine der produktivsten Reiseschriftstellerin der Goethe-Zeit. Selbst kinderlos zog sie insgesamt 13 Pflegetöchter auf. 
Frauen: Friederike Caroline Neuber (8. März 1697 in Reichenbach/Vogtland - 29. November 1760 in Laubegast bei Dresden) | Kupferstich, 1854 (Ausschnitt) | Neuberin-Museum Reichenbach
Friederike Caroline Neuber, geb. Weißenborn, Tochter eines Advokaten, floh als junges Mädchen mit ihrem Geliebten und späteren Ehemann, dem jungen Johann Neuber, vor ihrem tyriannischen Vater. Im Jahr 1717 schlossen sich beide der Spiegelberg'schen Schauspielertruppe an, die in Weißenfels auftrat. Zehn Jahre später war »die Neuberin«, wie sie genannt wurde, wieder in Weißenfels auf der Bühne, dieses Mal mit ihrer eigenen Truppe. Sie erhielt das Privileg, in Leipzig ein fest stehendes Theater zu errichten. In ihrer Zusammenarbeit mit Johann Christoph Gottsched in den Jahre 1730 bis 1739 sowie im Versuch, das gesellschaftliche Ansehen der Schauspieler zu erhöhen, setzte sie Maßstäbe. Als Directrice erwies sie sich als durchsetzungsfähig und zielgerichtet. Sie selbst schrieb zahlreiche Vorspiele und Dramen, von denen sich jedoch kaum etwas erhalten hat. Nach dem Verlust des Privilegs für ein festen Theaterbetrieb in Leipzig versuchte sie ab 1734, ihr Ensemble wieder als Wandertruppe über die Runden zu bringen mit Gastspielen u.a. in Hamburg, Frankfurt am Main, aber auch Zerbst, Dresden und Leipzig. Mehrfach musste sie ihre Truppe auflösen. Die letzten Lebensjahre lebte sie in Armut und starb zurückgezogen in Laubegast bei Dresden. Mit Friederike Caroline Neuber setzte eine große Veränderung in der Theaterpraxis des 18. Jahrhunderts ein - vom Possenspiel zum regelmäßigen Theater: Der »Hanswurst«, bis ins frühe 18. Jahrhundert von der Bühne nicht wegzudenken, wurde verbannt. Die Neubersche Schauspieltruppe war eine der ersten, die gezielt bürgerliche Stücke auf die Bühne brachte. 
Frauen: Henriette Amalie von Anhalt-Dessau (7. Dezember 1720 Dessau – 1793) | gemalt von Martin Falbe | Öl auf Leinwand, 1740–1745 (Ausschnitt) | Kulturstiftung DessauWörlitz – Schloss Mosigkau
Henriette Amalie von Anhalt-Dessau war das jüngste Kind des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau und seiner Gemahlin Anna Luise. Da sie ein Liebesverhältnis mit Wilhelm Gustav Werner, dem Sohn des Hofjägers Johann George Werner eingegangen war und von ihm im Januar 1742 einen Sohn gebar, musste sie zu Ostern 1742 Anhalt verlassen. Die Prinzessin wurde Kanonissin des »Kaiserlich freiweltlichen Adeligen Fräuleinstift« in Herford, wohin sie mit ihrem Hofstaat umsiedelte. Im Stift wurde sie 1764 zur Dechantin und 1779 zu Coadjutorin gewählt. Ihre Apanage von 10 000 Talern erhielt sie weiter vom Dessauer Fürsten ausgezahlt. Durch die ökonomische Verwendung ihrer finanziellen Mittel brachte es die unverheiratet gebliebene Prinzessin
zu einem ansehnlichen Besitz. Sie kaufte mehrere Güter, deren Bewirtschaftung sie selbst beaufsichtigte und gewinnbringend führte. In
Bockenheim bei Frankfurt am Main ließ sie sich einen barocken Landsitz
mit Garten errichten. So konnte sie auch in der Nähe ihres dort in Pension lebenden Sohnes sein, der jedoch bereits mit dreißig Jahren verstarb. Später erwarb Henriette Amalie einige Güter und Weingärten bei Bad Kreuznach. In Frankfurt kaufte sie 1790 ein Grundstück mit einem größeren Stadthaus, um die Annehmlichkeiten einer großen Stadt nicht entbehren zu müssen. Ihr Verwalter und Lebensgefährte war der um Jahre jüngere Baron von Rackmann. Die selbstständige, bildungsbestrebte Henriette Amalie besaß eine umfangreiche
Bibliothek und legte eine Münz- und eine Mineraliensammlung an. Neben
wertvollen Edelsteinen galt jedoch der Malerei ihr größtes Interesse.
Noch heute ist die von ihr zusammengetragene, umfangreiche Gemäldesammlung in der Anhaltischen Gemäldegalerie in Dessau zu
betrachten. Nachdem sie im Oktober 1792 nach Dessau zurückkehren
durfte, machte sie die Sammlungen in dem ihr zur Verfügung gestellten
Palais Dietrich öffentlich zugänglich. Ihr soziales Engagement zeigte sich in einer großzügigen Stiftung für »die Kranken und Armen im Fürstentum Anhalt-Dessau als Universalerben ihres sämtlichen Vermögens«. Durch ihr Vermächtnis wurden anfangs 12, dann 24 Personen als Nutznießer gespeist, gekleidet, gepflegt und berentet. 
Frauen: Johanne Sophie Gräfin von Anhalt (9. Juli 1731 Kleckewitz b. Raguhn - 15. Juli 1786 Dessau) | gemalt von Christian Friedrich Reinhold Lisiewski | Pastell, um 1765 (Ausschnitt) | Kulturstiftung Dessau Wörlitz - Schloss Mosigkau
1762 hatte der Erbprinz Wilhelm Gustav von Anhalt-Dessau ohne Zustimmung seines Vaters Leopold I. heimlichn die bürgerliche Johanne Sophie Herre geheiratet. Als er am 16.12. 1737 an Pocken im Sterben lag, gestand der Erbprinz dem Vater die eheliche Verbindung und empfahl die auf dem Gut Kleckewitz versteckt lebende Frau und Kinder der Obhut des fürstlichen Vaters. Dieser ließ lediglich den ältesten Enkel Wilhelm am Dessauer Hof unterrichten. Erst Fürst Leopold II. Maximilian  veranlasste die Erhebung der Wtwe seines Bruders und ihrer Kinder in der Reichsgrafenstand, teilte sich die dabei entstandenen Kosten mit seinen Geschwistern und ermöglichte ihnen den Zugang zum Hof. Johanne Sophie war zu dieser Zeit 18 Jahre alt. Ihre Tante Anna Wilhelmine vertrat längere Zeit die Mutterstelle bei den Töchtern des schon 1751 verstorbenen Fürstenpaares. Die gräfliche Nichte Johanne Sophie unterhielt zu ihr engste Beziehungen und war von ihr seelisch abhängig. Das besonders fürsorgliche Wesen der Gräfin für Familienmitglieder und sozial benachteiligte Menschen in Dessau beeindruckte ihre Tante Anna Wilhelmine, sodass sie diese in ihrem Testament vom 7. August 1779 als Äbtissin für das »Hochadlige Fräulein Mosigkau« einsetzte. Nach dem Tode der Prinzessin Anna Wilhelmine im April 1780 nahm sich die 46 jährige Johanne Sophie mit Gewissenhaftigkeit dieses Amtes an. Schon vor dem Tode der Anna Wilhelmine hatte sie sich darauf vorbereitet. In den jahren ihrer Amtszeit hielt sie sich in Mosigkau und im Hause ihrer Mutter auf. Die Äbtissin hatte schon in jüngeren Jahren eine schwache Gesundheit, durch die sie sich jedoch offensichtlich nicht an der pflichtbewussten Ausführung ihres Amtes hindern ließ, denn ihr Signum ist regelmäßig in den Stiftsdokumenten zu lesen. Sie wurde nach ihrem Tode auf dem Stiftsfriedhof in Mosigkau als erste Dame an zentraler Stelle bestattet. 
Frauen: Katharina II. von Russland (2. Mai 1729 in Stettin – 17. November 1796 in Zarskoje Selo) |(Ausschnitt) | In Privatbesitz
Als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg wurde sie in Stettin, wo ihr Vater als preußischer Regimentskommandeur stationiert war, geboren. Ihre ehrgeizige Mutter hatte von Anfang an das Ziel, die Tochter nicht an einen deutschen Provinzfürsten zu verheiraten. Geschickt fädelte sie die 1745 erfolgte Heirat mit dem russischen Thronfolger Peter III. ein. Diesem geistig schwachen Menschen war die junge Frau weit überlegen.Wenige Monate nach seiner Inthronisation wurde er 1762 von russischen Adligen ermordet und die zur Alleinherrscherin erklärte Zarin nahm nun selbst die Geschicke des Riesenreiches in die Hand. Die »Semiramis des Nordens« korrespondierte
mit Voltaire, Diderot und Montesquieu. Inspiriert von den Ideen der französischen Aufklärung trieb sie die Modernisierung der Verwaltung
voran. Sie entwarf selbst die Grundlagen einer Rechtsreform, blieb aber
stets der Überzeugung, dass eine aufgeklärte Autokratie die beste Regierungsform sei. In ihrem Auftrag begann die naturwissenschaftliche
Erkundung Sibiriens und die Reform des russischen Schulsystems.
Sie berief den Mathematiker und Physiker Leonard Euler an die Petersburger
Universität. In ihrer Regierungszeit eroberte Russland die Südukraine und die Krim, wo sie zahlreiche deutsche Bauern ansiedelte. Katharina betätigte sich selbst schriftstellerisch, sie verfasste Gedichte, Komödien und mehrere Versionen ihrer Memoiren. 
Frauen: Louise Henriette Wilhelmine von Anhalt-Dessau (24. September 1750 in Stolzenberg, Neumark - 27. Dezember 1811 in Dessau) gemalt von Angelica Kauffmann | Öl auf Leinwand, 1795 (Ausschnitt) | Kulturstiftung Dessau Wörlitz - Schloss Luisium
Ihr Kindeheit und Jugend verbrachte die aus einer Seitenlinie des Hauses Hohenzollern stammende Prinzessin in Berlin. Ihre Mutter hatte sie kaum kennen gelernt, denn diese, Leopoldine Marie geborene Prinzessin von Anhalt-Dessau, war ihrem Gatten, dem Marktgrafen Friedrich Heinrich von brandenburg-Schwedt 1752 ins pommersche Kolberg verbannt worden. Die 1767 erfolgte Heirat mit ihrem anhaltinischen Cousin Leopold Friedrich Franz war vom Preußenkönig Friedrich II.  als politischer Schachzug geplant. Wenn auch keine Liebesheirat, so schien die Ehe mit dem aufgeklärten und schöpferisch-drangvollem Dessauer Fürsten anfangs glücklich gewesen zu sein. Louise teilte sein Interesse an der Gartenkunst und war selbst sehr an den Naturwissenschaften, war sie doch eine Schülerin Eulers. Aber die gemeinsamen Reisen in die Schweiz, nach England und Frankreich konnten die zunehmende Entfremdung auf Grund charakterlicher Unterschiede nciht überdecken. Ihr empfindsam-melancholisches Wesen und die zeitweilig religöse Schärmerei stießen bei em pragmatisch veranlagten Mann auf Unverständnis. 1785 erfolgte die Separation. Sie suchte nun die Freundschaft starker Frauen, die sich von ihren Ehemännern emazipiert hatten und ein selsbtbestimmtes Leben führten. Reisen und Kuraufenthalte führten sie nach Italien und häufig in die Schweiz. Zunehmende Krankheiten banden die Fürsten in den letzten lebensjahren immer häufiger an Dessau. 
Frauen: Sophie Dorothea Gleim (18. Dezember in Aschersleben - 1810 in Halberstadt) gemalt von Benjamin Calau | Öl auf Leinwand, um 1770 (Ausschnitt) | Gleimhaus Halberstadt
Sophie Dorothea Gleim war die Tochter von christian Friedrich David Gleim, einem Bruder des Halberstädter Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Sie blieb unverheiratet. Im Jahr 1753 nahm ihr Onkel sie - nach seiner gelösten Verlobung - auf und sie führte ihm fortan den Hauhshalt am Halberstädter Dom, im heutigen Gleimhaus. Durch ihre Unterstützung wurde >das Haus Gleim< ein angenehmer Aufenthaltsort für zahlreiche Besucher aus Gleims Verwandschaft und aus seinem großen Freundeskreis. Bei den (literarischen) Freunden - etwa bei Elisa von der Recke oder der gräflichen Familie zu Stolberg-Wernigerode - war sie sehr beliebt. Die Dichterin Anna Louisa Karsch gab Sophie Dorothea Gleim den von vielen Freunden augegriffenen Beinamen »Gleminde«. Auf Reisen - etwa zum Brunnentrinken in Lachstädt oder Pyrmont - begleitete die »Hausnichte« den Onkel. Gleim vermachte ihr sein Erbe, bevor es nach ihrem Tod an die Gleim'sche Familienstiftung fiel. Zur weiteren finanziellen Absicherung verschaffte Gleim seiner Nichte im Jahr 1786 außerdem ein Kanonikat des Damenstiftes Drübeck.