Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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Orte und Partner

Museen

Museen mit einer Sammlung und ständigen Ausstellungen zum 18. Jahrhundert.

Klopstockhaus
Schlossberg 12
06484 Quedlinburg
Telefon: Museum: (03946) 2610; Touristinformation: (03946) 905 624 oder 905 625
klopstockhaus@quedlinburg.de
www.quedlinburg.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:
November-Mai: geschlossen
Klopstockhaus
Literatur Kunst
wissenschaftliche Nutzung der Bestände möglich Café im Museum oder in unmittelbarer Nähe Museumsshop Führung auf Anmeldung
 

Als Sohn einer wohlhabenden Familie – der Vater war Advokat am Quedlinburger Stift – erhielt Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) eine umfassende Ausbildung. Nach Privatunterricht und Besuch des Quedlinburger Gymnasiums absolvierte er die sächsische Fürstenschule Pforta und studierte dann in Jena und Leipzig Theologie. In der Messestadt beschäftigte er sich mit Werken Gottfried Wilhelm Leibniz’, die auch sein späteres Schaffen beeinflussten.

Schon in Pforta fasste Klopstock den Plan für den »Messias«, vom Dichter mit hohem literarischem Anspruch entworfen, dessen erste drei Gesänge 1748 erschienen und ein großes Echo hervorriefen. Auch seine Gedichte, Oden und Hymnen waren für das damalige Publikum revolutionär. Er setzte der bis dahin vorherrschenden »vernünftigen« Poetik Gottscheds eine eigene dichterische Auffassung und Sprache entgegen. Klopstocks Verständnis von der Antike war ein Baustein zu der wenige Jahre später aufkommenden – durch Johann Joachim Winckelmann angestoßenen – deutschen Klassik.

Der dänische König Friedrich V. gewährte Klopstock zur Vollendung seines »Messias« eine Pension, die den Dichter weitgehend von materiellen Sorgen befreite. Zwischen 1751 und 1770 lebte der Dichter in Dänemark, das er als sein »zweites Vaterland« bezeichnete. 1754 heiratete er Margarete Moller, die jedoch vier Jahre später an der Totgeburt des ersten Kindes starb. Erst mit 67 Jahren heiratete Klopstock ein zweites Mal. Mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim verband ihn eine herzliche Freundschaft. Der Einfluss Klopstocks lässt sich in Werken Johann Wolfgang Goethes, Friedrich Schillers, des Göttinger Hainbundes und Friedrich Hölderlins nachweisen.

Das Museum im Geburtshaus des Dichters stellt noch weitere Biographien des 18. Jahrhunderts vor: Dorothea Christiana Erxleben (1715–1762) promovierte als erste deutsche Frau in Medizin. Mit der Einführung des Sportunterrichtes hatte der bedeutende Pädagoge Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759–1839) nachhaltig Einfluss auf die Schulerziehung. Sein Schüler Carl Ritter (1779–1859) gilt als Begründer der wissenschaftlichen Geographie.

 
Schlossmuseum Quedlinburg
Schlossberg 1
06484 Quedlinburg
Telefon: (03946) 905681; Touristinformation: (0 39 46) 905 624 oder 905 625
schlossmuseum@quedlinburg.de
www.quedlinburg.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:

 

April bis Oktober:
Di - So: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr 
November bis März:
Di - So: 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
(ganzjährig Montag geschlossen)
Das Museum ist am 24. und 25. sowie am 01.01. geschlossen.


Schlossmuseum Quedlinburg
Kunst Geschichte Architektur / Wohnkultur
mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar wissenschaftliche Nutzung der Bestände möglich Restaurant auf dem Museumsgelände Café im Museum oder in unmittelbarer Nähe Museumsshop Führung auf Anmeldung
 

Das freiweltliche Reichsstift zu Quedlinburg geht auf Mathilde, die Witwe des deutschen Königs Heinrich I. (um 875–936), zurück. Die im Gründungsjahr 936 festgelegten Rechte sicherten dem Stift über 800 Jahre freie Äbtissinnenwahl und eigene Immunität. Das heißt, das Stift unterstand dem Kaiser und Papst, die Äbtissin hatte den Rang einer Reichsfürstin. Die Kanonissen – ohne Gelübde in religiöser Gemeinschaft lebende Frauen – konnten das Quedlinburger Damenstift als Ausbildungs- und Versorgungsstätte nutzen, es später wieder verlassen und heiraten.

Anfang des 18. Jahrhunderts (1704–1718) leitete die Pröpstin Gräfin Aurora von Königsmarck (1662–1728) in der Zeit der Äbtissinnenvakanz das Damenstift. Aurora, von Voltaire als die »berühmteste Frau zweier Jahrhunderte« bezeichnet, war zeitweilig Mätresse des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen August II. (des Starken). Als weltgewandte Frau richtete sie 1711 ein glanzvolles Fest für den Zarewitsch Alexei und seine Verlobte Charlotte Christine, Tochter des in Blankenburg residierenden Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg, im Propsteigarten aus. In das 18. Jahrhundert fallen auch die letzten großen Umbauten am Schloss. Vor allem die Prunk -gemächer erfuhren unter der von 1718 bis 1755 leitenden Äbtissin Maria Elisabeth, Herzogin von Holstein-Gottorp (1678–1755), eine auf wändige Umgestaltung.

Als Schutzherr des Stiftes verfügte Friedrich II. (der Große), dass seine Schwester Anna Amalie, Prinzessin von Preußen (1723–1787) 1756 Äbtissin in Quedlinburg wurde. Musikalisch begabt, musizierte und komponierte sie leidenschaftlich gern, sie vertonte u. a. Texte von Anna Louisa Karsch.

Die Prunkgemächer sowie die Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte, zum mittelalterlichen Quedlinburg und über die Zeit der Ottonen laden ins Museum ein. Mit der romanischen Stiftskirche St. Servatius und den Wohngebäuden des Damenstiftes bildet der Schlossberg ein einzigartiges Bauensemble und gehört zum UNESCO-Welterbe.