Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert - Schätze lebendiger Vergangenheit
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Orte und Partner

Museen

Museen mit einer Sammlung und ständigen Ausstellungen zum 18. Jahrhundert.

Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1, Haus 1
06110 Halle (Saale)
Telefon: (0345) 2127450; Touristinformation: (03 45) 122 99 84
www.francke-halle.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:

Infozentrum, Historische Bibliothek, Francke-Kabinett, Historisches Waisenhaus mit Kunst- und Naturalienkammer, Waisenhaus-Kabinett, Altan: Di–So 10-17 Uhr; Waisenhausbuchhandlung:

Mo-Fr 9-18 Uhr und Sa 10-13 Uhr

 

 

 


Franckesche Stiftungen zu Halle
Religion / Philosophie Pädagogik Architektur / Wohnkultur Geschichte
 

Vor 300 Jahren gründete der Pietist, Pastor und Universitätsprofessor August Hermann Francke (1663–1727) vor den Toren Halles eine Armen- und Waisenanstalt, deren beeindruckendes Ensemble bis heute erhalten geblieben ist.

Der Pietismus ist nach der Reformation die wichtigste Erneuerungsbewegung in der protestantischen Kirche, die Ende des 17. Jahrhunderts der erstarrten lutherischen Kirchenpraxis die Verinnerlichung des Glaubens entgegensetzte und speziell in Halle den sozialen Problemen der Zeit mit praktischer Nächstenliebe begegnete. Getragen von seinem Glauben legte Francke 1698 mit dem Bau des Waisenhauses den Grundstein für sein Lebenswerk. Innerhalb von 30 Jahren entstand eine eigene Schulstadt mit mehrgliedrigem Schulsystem, Druckerei, Buchhandlung und Apotheke, Handwerksbetrieben und Gärten sowie wissenschaftlichen Instituten.

Franckes pädagogisches Konzept war aufgeklärt und umfassend. Zu Lehrzwecken legte er ein Kunst- und Naturalienkabinett an, das sein Sohn und Nachfolger nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ordnete, und bezog erstmals auch Gärten in den Unterricht mit ein. In der Schulstadt, die Zeitzeugen in ganz Europa als das »Neue Jerusalem« galt, arbeiteten und lebten während ihrer Blütezeit bis zu 3000 Menschen.

Franckes Reformpläne wurden durch Pfarrer, Lehrer, Ärzte und Adlige – wie z. B. die Grafen zu Stolberg-Wernigerode – gefördert und in die Welt getragen. Ihre Spuren findet man heute noch in vielen europäischen Ländern, aber auch in Indien und den USA. Die erste protestantische Mission, die Diakonie, die Realschule in Deutschland, Millionen deutschsprachiger Volksbibeln und eine Vielzahl der gängigen evangelischen Kirchenlieder haben ihren Ausgangspunkt in den Franckeschen Stiftungen.

Heute sind die Franckeschen Stiftungen ein lebendiger kultureller Bildungskosmos an historischer Stätte. Mit dem Waisenhaus, der »Wunderkammer« und der barocken Bibliothek ermöglichen sie einen anschaulichen Einblick in die Lebenswelt eines bedeutenden Bildungsortes des 18. Jahrhunderts.

 
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Zentrale Kustodie und Universitätsmuseum
Universitätsplatz 11
06099 Halle (Saale)
Telefon: (0345) 5521733; Touristinformation: (03 45) 122 99 84
kustodie@uni-halle.de
www..kustodie.uni-halle.de; www.LSA18.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:

Historisches Räume:

Nach Anmeldung

Sonderausstellungen:

Di bis Fr 11:00–13:00

und 14:00–18:00

So 14:00–18:00

 


Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Zentrale Kustodie und Universitätsmuseum
Kunst Naturwissenschaften Geschichte Religion / Philosophie Pädagogik
 

Die 1694 von Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg, ab 1701 König in Preußen, gegründete Fridericiana war Anfang und Ende des 18. Jahrhunderts die führendste und modernste Hochschule.

Fortschrittliche Denker begründeten den Ruf der Universität. Der zweite Direktor der alma mater halensis Christian Thomasius (1655–1728) dozierte als erster Gelehrter in deutscher statt lateinischer Sprache und trug wesentlich zur Abschaffung der Hexenprozesse bei. Mit dem Aufklärer Christian Wolff (1679–1754), dem Pietisten August Hermann Francke (1663–1727), dem Mediziner Friedrich Hoffmann (1660–1742) und weiteren Professoren wurde die junge Universität schnell bedeutend in den Naturwissenschaften sowie ein Zentrum der deutschen Frühaufklärung und des Pietismus. Johann Heinrich Schulze (1687–1744) führte als Erster auf seine antike Münzsammlung aufbauend die Numismatik als Lehrfach ein. Mit Kapitän James Cook (1728–1775) segelten die Naturforscher Johann Reinhold Forster (1729–1798) und dessen Sohn Georg (1754–1794) um die Welt. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) erhielt von ihnen einen Teil der Südsee-Sammlung dieser Reise für einen eigens dafür errichteten Pavillon im Wörlitzer Park geschenkt. Später lehrte Forster an der Universität und wurde Mitbegründer des Institutes für vergleichende Länder- und Völkerkunde.

Auch viele Absolventen erlangten einen hohen Bekanntheitsgrad. Als erste deutsche Frau promovierte 1754 Dorothea Christiana Erxleben (1715–1762) aus Quedlinburg an der medizinischen Fakultät. Der Begründer der Archäologie Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) schloss in Halle ebenfalls sein Studium ab. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) und Novalis (1772–1801) studierten an der Wittenberger Universität, bevor diese 1817 mit der Fridericiana vereint wurde.

Die Porträtgalerie hallescher Gelehrter, kostbare Siegel sowie Rektoren- und Fakultätszepter, Druckgraphiken der Aufklärung und die Sammlung antiker Münzen sind nur ein Teil des Schatzes der Universität, der auf das 18. Jahrhundert zurückgeht.

 
Stadtmuseum Halle – Christian-Wolff-Haus
Große Märkerstraße 10
06108 Halle (Saale)
Telefon: (0345) 2213030, Touristinformation: (03 45) 122 99 84
Fax: (0345) 2213033
stadtmuseum@halle.de
www.stadtmuseum.halle.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:

Montag geschlossen

Di - So: 10:00 - 17:00 Uhr

 


Stadtmuseum Halle – Christian-Wolff-Haus
Geschichte Religion / Philosophie
 

Der Mathematiker, Physiker und Philosoph Christian Wolff (1679–1754) erhielt 1706 die Professur für Mathematik an der Universität in Halle. Mit Erfolg begann er ab 1710 philosophische Lesungen zu halten. Zentrale Teile der Leibnizschen Philosophie in eine systematische Fassung bringend und von der Kraft der menschlichen Vernunft ausgehend, wurde er der führende Vertreter der Aufklärung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Deutschland. Wie der Rektor der Universität Christian Thomasius hielt er seine Vorlesungen in deutscher Sprache.

Seine freiheitlichen Gedanken – er gilt als Mitbegründer des modernen Völkerrechts –, die sich zunehmend von der Theologie entfernten, erregten vor allem den Widerspruch der halleschen Pietisten. Durch ihre guten Beziehungen nach Preußen konnten diese den »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I. dazu bewegen, Wolff seines Amtes zu entheben und aus Preußen zu verweisen.

Wolff nahm das Angebot der Professur für Mathematik und Philosophie in Marburg aus dem Fürstentum Hessen-Kassel an. Auf sein wachsendes internationales Ansehen folgten glänzende Lehrangebote, auch Friedrich Wilhelm I. – seinen Fehler einsehend – versuchte Wolff zur Rückkehr nach Halle zu bewegen. Doch erst sein Sohn Friedrich II. (der Große) konnte den Gelehrten in die Stadt zurückholen, wo er 1740 begeistert empfangen wurde. 1741 erwarb Wolff das prächtige Renaissance-Bürgerhaus in der Märkerstraße und bewohnte es bis zu seinem Tode 1754. Im Haus arbeitete und lehrte der Philosoph auch, da der Universität Anfang des 18. Jahrhunderts geeignete Vorlesungsräume fehlten.

Im Museum erinnert das repräsentative Audienzzimmer Wolffs mit den restaurierten historischen Bildtapeten als Ensemble bürgerlicher Wohnkultur an den Denker. Der Auditoriumssaal mit der Porträtsammlung aus dem Nachlass der Drucker- und Verlegerfamilien Gebauer und Schwetschke dokumentiert die einst prachtvolle Ausstattung des Renaissancewohnhauses. Im Zuge der Neukonzeption der Halleschen Museen vermitteln zunächst wechselnde Ausstellungen einen Eindruck des Lebens in Halle zwischen Barock und Biedermeier.

 
Stiftung Händel-Haus Halle
Große Nikolaistraße 5
06108 Halle (Saale)
Telefon: (0345) 500900 und 50090103; Touristinformation: (03 45) 122 99 84
stiftung@haendelhaus.de
www.haendel-in-halle.de

Anreise mit der Bahn

Öffnungszeiten:

April bis Oktober

Di - So 10:00 - 18:00 Uhr

November bis März

Di - So 10:00 - 18:00 Uhr


Stiftung Händel-Haus Halle
Musik Geschichte
 

Der Vater von Georg Friedrich Händel (1685–1759) war Hofchirurg des Herzogs von Sachsen-Weißenfels. Dieser Kontakt und verwandtschaftliche Beziehungen zu einem Musiker am Weißenfelser Hof mögen dazu beigetragen haben, dass das Talent des jungen Händel entdeckt und gefördert wurde. Vermutlich erlebte er auf dem Schloss auch erstmals Opernaufführungen.

Händel wurde in Komposition und Instrumentenspiel bei Friedrich Wilhelm Zachow, Organist der Liebfrauenkirche in Halle, unterrichtet. 1702 erhielt er den Organistenposten am Halleschen Dom, den er aber bereits nach dem Probejahr aufgab, um sich nach Hamburg zu wenden. Lebenslange Freundschaft verband Händel sowohl mit dem Komponisten und Musiktheoretiker Johann Mattheson (1681–1764) als auch mit Georg Phillipp Telemann (1681–1767), beide lebten und arbeiteten in der Hafenstadt. Während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Italien knüpfte er Kontakte nach Hannover, wo er bei Kurfürst Georg Ludwig (1660–1727), dem späteren englischen König, 1710 das Amt des Hofkapellmeisters übernahm. Ab 1712 lebte Händel – obwohl den Titel eines Hofkomponisten tragend – als freischaffender Komponist in London. Dort beteiligte er sich mit wechselhaftem Erfolg an Opernunternehmen und erlangte vor allem mit seinen Oratorien nationalen und internationalen Ruhm. Seiner Heimatstadt Halle und den hier lebenden Familienmitgliedern blieb er bis an sein Lebensende verbunden.

Auf den Musikschriftsteller und Hofkapellmeister zweier Preußenkönige Johann Friedrich Reichardt (1752–1814) geht die Ausstellung im Händel-Haus ebenfalls ein. Reichardt lernte auf seinen Reisen u. a. Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Friedrich Gottlieb Klopstock kennen. Sein Wohnsitz in Halle wurde zum »Giebichensteiner Dichterparadies« mit Gästen wie Ludwig Tieck, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano, Novalis oder Johann Wolfgang Goethe.

Die Sammlungen des Händel-Hauses umfassen neben vielen Sachzeugen Händels, seiner Zeitgenossen und der regionalen Musikgeschichte über 700 teils noch heute spielbare historische Musikinstrumente.