Museen mit einer Sammlung und ständigen Ausstellungen zum 18. Jahrhundert.
Mai bis Okt Di–Fr 9–17 Uhr
Sa, So 10–17 Uhr
Nov bis April Di–Fr 10–17 Uhr
Sa, So 10–16 Uhr
Durch die Toleranzpolitik des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620–1688) entwickelte sich in dem damals Brandenburg zugehörigen Halberstadt eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Mitteleuropas.
Von hier aus agierte Berend Lehmann (1661–1730) als Hofjude für die Höfe Brandenburg-Preußen, Hannover und Sachsen. Hofjuden standen mit persönlichem Risiko den Potentaten bei der Beschaffung von Geld- und Sachmitteln sowie von Luxusgütern zur Seite. Durch diese Aktivitäten erlangten sie großen Einfluss auf die Politik – so war Lehmann u.a. an der Erlangung des polnischen Königthrons für August II. (des Starken) beteiligt. Die exponierte Stellung und ihre Religion machten die Hofjuden aber gleichermaßen abhängig von den Herrschern bzw. deren Umfeld. Auch mit Herzog Ludwig Rudolf zu Braunschweig-Lüneburg (1671–1735) verbanden den Halberstädter geschäftliche Beziehungen, darüber hinaus stellte er dem Herzog u. a. seine Gebäude in Blankenburg für höfische Feste zur Verfügung.
Politscher Einfluss und Vermögen erlaubten Berend Lehmann als Mäzen für die jüdische Gemeinschaft zu wirken. 1696 ließ er den Babylonischen Talmud – eine Heilige Schrift des Judentums – auf seine Kosten drucken, und da Mangel an religiösen Schriften herrschte, kostenlos an jüdische Gemeinden verteilen. 1703 begründete er in Halberstadt die »Klaus«, die bis 1938 ein bedeutendes jüdisches Lehrhaus sein sollte. Wenige Jahre später stiftete er in Halberstadt eine Barocksynagoge, die 1712 eingeweiht wurde. Die Synagoge wurde Opfer der allgemeinen Zerstörung im Jahr 1938.
Heute erfährt man im Berend Lehmann Museum, welche Rolle die Mikwe (jüdisches Ritualbad) oder die Sukka (Laubhütte) im religiösen Leben spielt. Zudem wird am Beispiel der Halberstädter jüdischen Gemeinde die Geschichte der Juden in Preußen aufgezeigt.
Die 1995 gegründete Moses Mendelssohn Akademie ist eng mit dem Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam verknüpft. Beide Einrichtungen arbeiten in der Tradition ihres Namensgebers Moses Mendelssohn, des Philosophen der Haskala, der jüdischen Aufklärung.
Mai bis Okt Di–Fr 9–17 Uhr
Sa, So 10–16 Uhr
Nov bis April Di–Fr 9–16 Uhr
Sa, So 10–16 Uhr
Nach dem Studium in Halle, einer Hauslehrertätigkeit in Potsdam und der kurzen Zeit als Sekretär des »Alten Dessauers« lebte Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) in Berlin. 1747 wurde er von dort als Domsekretär nach Halberstadt berufen. Sein 1744/45 veröffentlichter »Versuch in scherzhaften Liedern« ist eine Sammlung heiterer Trinklieder, die sich an den griechischen Dichter Anakreon anlehnen und neben den »Preußischen Kriegsliedern« 1758 seinen Ruf als Dichter begründeten.
Diese schriftstellerischen Erfolge werden aber von seiner Bedeutung als Förderer und Sammler übertroffen. Gleim, der den Berliner Freundeskreis vermisste, hatte Briefkontakt mit vielen seiner Zeitgenossen. Über das Schreiben hinaus stand sein Haus jederzeit für Gäste offen. Johann Peter Uz, Friedrich Gottlieb Klopstock, Moses Mendelssohn, Johann Gottfried Herder, Johann Heinrich Voß und Anna Louisa Karsch sind nur als ein Teil seines Bekanntenkreises zu nennen. Junge Literaten wie Gottfried August Bürger oder Johann Gottfried Seume unterstützte er selbstlos.
Seit den 1740er Jahren begann er mit dem Sammeln von Porträts seiner Freunde und anderen Größen seiner Zeit. Nach Gleims Wunsch im einheitlichen Format, teilweise von namhaften Künstlern gemalt, stellten die Bildnisse ganz im Sinne der Aufklärung die Gleichheit von Adel und Bürgertum vor Augen. Gleim legte auch eine umfangreiche Bibliothek an. Sich der Einmaligkeit seiner Sammlungen bewusst, verfügte er eine öffentliche Nutzung durch die Nachwelt.
Ob man nun den Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts »Aug’ in Aug« im einmaligen »Freundschaftstempel« gegenüberstehen oder sich in die Bibliothek vertiefen möchte – das vielseitige Veranstaltungsprogramm um Bild, Buch und Brief im Wohnhaus Gleims und im modernen Museumsneubau erfüllt wie zu des Dichters Zeiten die Räume mit Leben.
Mai bis Okt täglich 10–18 Uhr,
letzter Einlass 17.30 Uhr
Nov bis April Di–Fr 10–16 Uhr
Sa, So, Feiertage 10–18 Uhr
Ernst Ludwig Christoph Freiherr von Spiegel zum Desenberg (1711–1785) wurde 1753 Domdechant in Halberstadt. Offen für die Ideen der Aufklärung, selbst an den schönen Künsten interessiert und als sowohl gastfreundlicher wie auch wohltätiger Mensch unterstützte er als direkter Vorgesetzter die Ideen seines Domsekretärs Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Wie nahe Spiegel dem Freundeskreis Gleims stand, wird besonders an dem von ihm angelegten Landschaftspark deutlich.
Spiegel erwarb 1761 eine kahle, südlich von Halberstadt liegende Hügelkette, die er sukzessive aufforsten ließ. Der Park des Domdechanten entstand zeitgleich mit den ersten Anlagen in Wörlitz. Zwar ist eine gegenseitige Beeinflussung nicht nachweisbar, aber zumindest bestand durch die Freundschaft zu Gleim, der auch Beziehungen nach Dessau-Wörlitz unterhielt, eine Verbindung. Wie auch in Wörlitz wollte Spiegel das »Schöne mit dem Nützlichen« verbinden. Unter den vielen Parkarchitekturen und -skulpturen ist besonders das älteste erhaltene Dichter-Standbild in Deutschland für Anna Louisa Karsch (1722–1791) hervorzuheben (heute im Gleimhaus ausgestellt.). Die »Karschin«, aus schweren und armen Verhältnissen stammend, erhielt auf Grund ihrer Dichtkunst ideelle und finanzielle Förderung durch Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn oder die preußischen Könige. Mit Gleim verband sie eine enge Freundschaft.
Als Freiherr von Spiegel 1785 starb, wurde er in dem von ihm im Park dazu bestimmten Mausoleum beigesetzt.
Das Städtische Museum ist in der Spiegelschen Kurie untergebracht, dem Gebäudekomplex, den der Domdechant bis 1782 auf eigene Kosten am Domplatz erbauen ließ. Die Ausstellung zur Geschichte der Stadt und des Bistums Halberstadt, eine historische Apotheke und die komplett erhaltene Handschuhmacherwerkstatt – ein Handwerk, dass mit den im 18. Jahrhundert angesiedelten Hugenotten in die Stadt kam – geben einen Einblick in die Zeit Spiegels.