Museen mit einer Sammlung und ständigen Ausstellungen zum 18. Jahrhundert.
Di–So 10–17 Uhr
Das Schloss Georgium geht auf den Prinzen Johann Georg von Anhalt-Dessau (1748–1811), den jüngeren Bruder des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt Dessau, zurück. Der Prinz stand dem aufgeklärten Kreis seines Bruders nahe, musste jedoch aus politischen Gründen im preußischen Heer dienen, das er auf eigenen Wunsch 1779 verließ. Nach seiner Rückkehr beauftragte er Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) mit dem Bau des klassizistischen Landhauses. Zum Schloss gehört der bedeutende Park, der von Johann George Schoch und Johann Friedrich Eyserbeck angelegt wurde.
Im Georgium befindet sich seit 1959 die Anhaltische Gemäldegalerie, eines der bedeutendsten Kunstmuseen der neuen Länder. Im Haus sind Werke der alten Malerei und Graphik vom Spätmittelalter bis zum frühen 19. Jahrhundert von Künstlern wie Cranach d. Ä., Baldung, Brueghel, Thoma, Klinger und Slevogt zu sehen. Den Grundstock der Gemäldegalerie bilden Kunstwerke aus den fürstlichen Sammlungen Anhalts und insbesondere die in Frankfurt erworbenen Bestände niederländischer Malerei der Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau. Mit der ständigen Ausstellung »Anhalt und das 18. Jahrhundert«, einer außerhalb Frankfurts einmaligen Auswahl Frankfurter Maler der Goethezeit, die ebenfalls auf die Sammeltätigkeit der aus Dessau verstoßenen Prinzessin Henriette Amalie zurückgeht, und weiteren Werken ist das
18.Jahrhundert mit Künstlern wie Adám Mányoki, der Malerfamilie Tischbein, Wilhelm Schadow, Jakob Philipp Hackert und Johann Conrad Seekatz vertreten.
Zwei Besonderheiten vereint das Historische Fremdenhaus: Als Bau an sich, mit je einer gotischen, palladianischen, barocken und klassizistischen Fassade sowie mit einer Ausstellung von Kunstreproduktionen der Chalkographischen Gesellschaft. Das Unternehmen, das zwischen 1796 und 1803 bestand, wurde u. a. von Erdmannsdorff und Fürst Franz gegründet. Durch die hochwertige Reproduktion von ausgewählten Kunstwerken sollte durch deren Verbreitung die Ausbildung des allgemeinen Geschmacks gefördert werden. Im Fremdenhaus befinden sich außerdem eine hochwertige Sammlung von Handzeichnungen und Druckgraphiken des 16. bis frühen 19. Jahrhunderts, der künstlerische Nachlass Erdmannsdorffs und eine große Anzahl von Gartenplänen aus dem Dessauer Gartenreich.
Di–So 10–17 Uhr
(außer 24. und 31. Dezember)
Im 18. Jahrhundert wurde das Fürstentum Anhalt-Dessau von zwei Herrscherpersönlichkeiten repräsentiert, die weit über die Grenzen hinaus Bedeutung erlangt haben. Leopold I. von Anhalt-Dessau (reg.1698–1747), bekannt als der »Alte Dessauer«, ging als einer der populärsten brandenburg-preußischen Heerführer und Militärreformer in die Geschichte ein. Unter seinen 1715 begonnenen Reformen (u. a. Einführung des Gleichschritts und des eisernen Ladestocks) avancierte das preußische Heer zum schlagkräftigsten Europas. Seinen letzten großen Erfolg feierte der »Alte Dessauer« 1745 in der Schlacht von Kesselsdorf; sein Sieg beendete den 2. Schlesischen Krieg vorzeitig. Anhalt-Dessau erlebte unter Leopold I. den Höhepunkt des Absolutismus. Kühl rechnend und mit harter Hand setzte er eine Vielzahl von Maßnahmen durch, die seine Einnahmen erhöhten und ihn zum größten Grundbesitzer seines Landes machten. Verheiratet war Leopold seit 1698 mit der Dessauer Apothekerstochter Anna Luise Föhse.
Sein Enkel, Leopold Friedrich Franz (reg. 1758–1817), baute dagegen Anhalt-Dessau zu einem bedeutenden Zentrum der Aufklärung aus. Das Reformwerk des »Friedensfürsten« Franz war umfassend und berücksichtigte ökonomische, soziale, medizinische, pädagogische und ästhetische Aspekte. In der Verbindung des »Nützlichen« mit dem »Schönen« verwirklichte »Vater Franz« in seinem Land konsequent die Ideale der Aufklärung. Das Fürstentum galt als »Zierde und Inbegriff des
18. Jahrhunderts«. Neben dem berühmten Dessau-Wörlitzer Gartenreich zählen u.a. auch das Dessauer Philanthropinum, die Buchhandlung der Gelehrten sowie die Chalcographische Gesellschaft zu den überall gepriesenen Höhepunkten.
Das Museum ist seit 2005 im Johannbau untergebracht, dem Westflügel des im 2. Weltkrieg zerstörten Residenzschlosses von Dessau. Der Johannbau (1528–33) war einer der frühesten und bedeutenden Schlossbauten der deutschen Frührenaissance. 1945 schwer beschädigt, wurde er ab 1990 wieder instandgesetzt. Die Zeit des »Alten Dessauers« und des Fürsten Franz bildet das Herzstück der neuen Dauerausstellung zur Geschichte Dessaus und Anhalt-Dessaus.